Mouches volantes im antiken Mesopotamien

20. November 2017

Das Phänomen der Mouches volantes wird in unserer Kultur vorwiegend im Einklang mit der modernen medizinischen Sicht verstanden, wo es als „Glaskörpertrübung“ gilt. Die Sichtung bildlichen Materials aus früheren und aussereuropäischen Kulturen offenbart jedoch immer wieder abstrakte Zeichen, die den typischen Strukturen der Mouches volantes ähneln. Dass Mouches volantes womöglich als spirituelles Phänomen gedeutet wurde, lässt auf eine Wahrnehmungsdimension des Phänomens schliessen, für die die moderne Medizin bis heute kein Interesse zeigt (Tausin 2010; 2006b). In diesem Artikel werden Mouches-volantes-Formen in der Bilderwelt Mesopotamiens vorgestellt, der Wiege der Zivilisation in Vorderasien.

Als die Menschen vor 10‘000 Jahren allmählich von nomadischen Lebensformen zur Sesshaftigkeit und Ackerbau übergingen, legten sie die Grundlage für die ersten Hochkulturen der Geschichte. Eines der frühesten Gebiete, in denen ab dem 4. Jahrtausend v. Chr. städtische Gemeinschaften und Grossreiche entstanden, ist das Land an den beiden Flüssen Euphrat und Tigris im heutigen Irak, von den Griechen „Zwischenstrom(land)“ (Mesopotamien) genannt. Jahrtausendelang war dieses Land ein Schmelztiegel unterschiedlicher Völker und Kulturen, die Dynastien gründeten, durch Kanäle bewässerte Felder bestellten, Handel trieben, Kunsthandwerk verrichteten, den Göttern opferten und Eroberungsfeldzüge durchführten. Sumerer, Assyrer, Babylonier, Hethiter, Hurriter und andere Völker hinterliessen Bauwerke, Stelen, Tontafeln, Rollsiegeln, Malereien, Keramiken und Metallarbeiten aus Bronze und Eisen, die von einer bewegten Geschichte erzählen – und zuweilen Formen und Symbole enthalten, die an entoptische Erscheinungen erinnern. Könnten Aspekte der Kulturen Mesopotamiens durch die Wahrnehmung von Mouches volantes beeinflusst sein?

Schamanen in Mesopotamien? 

Entoptische Erscheinungen können durch bewusstseinsverändernde rituelle Ekstasetechniken hervorgerufen und verstärkt werden (Tausin 2010a/2008). Solchen Techniken wurden wahrscheinlich bereits zur Zeit des Jungpaläolithikums (ab ca. 40‘000 v. Chr.) vom modernen Homo sapiens genutzt, wovon die abstrakten geometrischen Zeichen in den europäischen Höhlenmalereien zeigen könnten (Dowson/Lewis-Williams 1988; Clottes/Lewis-Williams 1997). In den Religionen Mesopotamiens gibt es nur wenige Hinweise auf bewusstseinsverändernde Praktiken. Die Religion bestand in der rituellen priesterlichen und individuellen Verehrung einer Reihe von oft menschlich gedachten und hierarchisch gegliederten Göttern und Göttinnen, repräsentiert als Kultbilder und Statuen in den ihnen gewidmeten Tempel. Das Verhältnis zu den Gottheiten war distanziert und von Ehrfurcht charakterisiert, die Götter wurden mit Gefühlen des Staunens und der Machtlosigkeit angesprochen. Durch Wahrsagerei und die Entdeckung von Omina (Vorzeichen) in der Natur versuchte man, die Absichten der Götter für das eigene Schicksal oder den Staat in Erfahrung zu bringen (Hrouda 1997; Ringgren 1979). All dies spricht nicht eben für den Charakter eines schamanischen aktiven „Ringens“ um Erkenntnis und Heilung. Einige der magischen Handlungen, mythischen Vorstellungen und Darstellungen in der mesopotamischen Kunst der Grossreiche (ab ca. 3000 v. Chr.) könnten jedoch von einem altorientalischen Schamanismus zeugen, der später auch zentralasiatische und sibirische Schamanen beeinflusst hatte (Eliade 1957). Ob diese Elemente auf jungsteinzeitliche Praktiken des aus Afrika einwandernden Homo sapiens zurückgehen – wie die geometrischen Muster auf den Keramiken der vordynastischen Kulturen von Halaf und Obed (ab 6500 v. Chr.) nahe legen – oder aber durch später einwandernde indogermanische Völker aus Zentral- und Ostasien importiert wurden (Walter/Fridman 2004) muss hier offen bleiben.

Schamanische Elemente in der Zeit der mesopotamischen Dynastien 

Ein in der schamanischen Vorstellungswelt und Praxis verbreitetes Thema ist beispielsweise die Reise in die Unterwelt, die in Mesopotamien ihre Parallele in den Unterweltsreisen der Göttin Inanna oder des Enkidu, König Gilgameschs Freund und Diener, finden (Ringgren 1979; vgl. Walter/Fridman 2004). Auch die mesopotamische Medizin könnte schamanische Elemente enthalten haben. Denn Krankheit wurde häufig als das Wirken von Dämonen oder als Werk der Hexerei durch andere Menschen verstanden. Und wenn die individuellen Beschwörungsformeln und Amulette zur Abwehr von Dämonen offensichtlich versagten, hatte der Beschwörungspriester meist Vorrang vor dem Mediziner, der mit Kräutern und Salben heilte (Lawson 2004; Hrouda 1997). Dabei wiesen die Heilrituale in ihrer Performanz mit trommelartiger Musik und wirbelndem Tanz Aspekte schamanischer Praxis auf (vgl. Bryce 2002) – wobei vielleicht auch eine (für den sibirischen Schamanismus typische) Rahmentrommel verwendet wurde, die nach Ansicht einiger Forscher durch die Sumerer ins Zweistromland gebracht worden ist (Walter/Fridman 2004). Andere sehen im „Kraut der Unsterblichkeit“, wonach König Gilgamesch im berühmten gleichnamigen Epos suchte, einen Hinweis auf einen „entheogenen“ (psychedelischen) Schamanismus (Walter/Fridman 2004). Nach Rätsch 2004 wurden bewusstseinsverändernde Pflanzen wie Hanf, Haschisch, Weihrauch, Alraune (evtl. im Wein), Tollkirsche und Bilsenkraut (im Bier) im Ritual und in der Medizin verwendet.

Weltenberg, kosmische Säule, Lebensbaum

Die oft mit dem Schamanismus in Zusammenhang stehende Vorstellung eines Zentrums der Welt, das die drei kosmischen Sphären Himmel, Erde und Unterwelt verbindet – meist ein Berg, eine Säule bzw. Achse oder ein Baum –, ist in vielen alten Kulturen verbreitet und geht wahrscheinlich auf prähistorische Vorstellungen zurück (Eliade 1957). In der Architektur und darstellenden Kunst Mesopotamiens begegnen uns solche Phänomene. Die Zikkurat beispielsweise, ein für mesopotamische Städte charakteristischer Stufenturm mit Tempel, könnte gemäss einem Hymnus an den Ekur-Tempel als Kopie des kosmischen Berges aufgefasst worden sein (Ringgren 1979). Nach Mircea Eliade (1957) steht die Zikkurat zudem mit der mystisch-schamanischen Zahl sieben in Verbindung: die sieben unterschiedlich gefärbten Stockwerke der Zikkurat symbolisierten die sieben himmlischen Regionen.

Mesopotamien machte zwar wenig architektonischen Gebrauch von Säulen. Doch auf Reliefs und Rollsiegel werden immer wieder freistehende Säulen, Stangen, Pfosten oder Pfähle dargestellt. Manche von ihnen münden oben in Speerspitzen oder Tierköpfe, andere in abstrakte Kreissymbole. Sie alle repräsentieren Gottheiten (vgl. Handcock 1912), wobei die Säulen mit Kugelsymbolen meist Standarten für astrale Gottheiten wie Utu (sumerisch) oder Schamasch (akkadisch) sind (vgl. Chochrane, Suns and Planets, n/a; Mesopotamian man, n/a).

Zentraler Weltenbaum, flankiert von Königen und greifenartigen Schutzgeistern. (Quelle: Uehlinger 2002)

Frei stehende Steinsäulen in oder mit einer runden Öffnung oder Fläche könnten neben dem Mittelpunkt des Universums auch die Vereinigung des Männlichen mit dem Weiblichen symbolisieren – wie schon im neolithischen Göbekli Tepe in der heutigen Türkei (Mahlstedt 2010). Die hier gezeigten Bilder suggerieren, dass die Weltachse, oder zumindest Teile davon, aus denselben Kugeln besteht, wie sie auch am Boden, am Himmel und als Attribute von Gottheiten zu finden sind. Das Sehen der Mouches volantes hält eine ähnliche Erfahrung bereit: Langgestreckte Fäden – teils in Kurvenform, teils aber auch aufgerichtet wie eine Säule – beinhalten vereinzelte Kugeln oder aber lückenlose Kugelreihen. Den Bildern und der entoptischen Interpretation folgend könnten entoptische Phänomene wie Mouches volantes nicht nur als „Weltzentrum“, sondern auch als „Stütze“, „Träger“, oder gar „Erzeuger“ von himmlischen und göttlichen Erscheinungen verstanden worden sein.

Auch der Lebensbaum war in Mesopotamien bekannt (Stutley 2003, Eliade 1957). Dieser Baum (kischkanu) befindet sich in mythischen Eridu. Seine Wurzeln reichen bis in die Unterwelt, sein Stamm symbolisiert die Erde, während sich die Krone in die Himmelssphäre erstreckt (vgl. Ebeling, Erich: Baum, heiliger, in: RIA)

Dieser die kosmische Ordnung repräsentierende Baum wird teilweise, wie die Säulen, als ein abstraktes Geflecht von Linien und Kreisen dargestellt (vgl. Parpola 1993). Auch die Bezeichnung „Rohr“ für den Baum suggeriert diese abstrakte Komponente hat (vgl. Unger, Eckkard: Eridu, in: RIA) – „Rohr“ könnte zwar auf das heilige Schilf Bezug nehmen, aber auch auf entoptische „Röhren“, wie sie bei Mouches volantes sichtbar sind. Letzteres wird bei der Betrachtung des obigen Bildes plausibel, wo „Röhren“ und „Kugeln“, manchmal als „Granatäpfel“ interpretiert, miteinander verbunden sind.

Welt und Kosmos

Doppel- oder Mehrfachkreise begegnen uns auch in der Vorstellung über die Form der Welt und des Kosmos. Die Völker Mesopotamiens stellten sich den Kosmos meistens dreigeteilt vor – ein Konzept, das in vielen antiken, aber auch in schamanischen Gesellschaften verbreitet ist:

Der mesopotamische Kosmos (Quelle: Biblisch - historisches Handwörterbuch)

1. Die himmlisches Sphäre, geteilt in einen höchsten, einen mittleren und einen niedrigen Himmel (H1-3); An/Anu war Himmelsgott im höchsten Himmel; im zweiten residierte nach dem Schöpfungsmythos Enuma Elisch der babylonische Stadtgott Marduk. Nach späterer Auffassung wurden sieben Himmel und sieben Unterweltebenen gezählt, was wiederum der Denkweise vieler schamanischer Traditionen entspricht (Eliade 1957).

2. die uns Menschen vertraute Erde mit dem zentralen Berghaus (Ekur) (E-1) und dem Ozean (O), dem Dammring (D) und den Bergen des Sonnenaufgangs (M) und Sonnenuntergangs (A). Herr der Erde ist Gott Enlil.

3. Die Unterweltsphären (E2-3) mit dem Grund des irdischen Ozeans (G), die Domäne von Gott Enki, und dem Totenreich (TR), eine Stadt mit sieben Mauern, Reich der Totengöttin Ereschkigal.

Der gesamte Kosmos ist umgeben vom Himmelsozean (HO).

Die Form der konzentrischen Kreise kommt hier auf mehrere Arten zum Ausdruck: Von der Seite gesehen lässt sich der Kosmos als Ei oder Kugel verstehen, deren konzentrische Kreise die Tiefe bzw. Höhe der unterschiedlichen Sphären anzeigt – wobei die Höhe der Himmelswelt in etwa der Tiefe der Unterwelt entspricht. Die Unterwelt, ein düsterer, trostloser Ort, in dem die Verstorbenen ein Schattendasein führen (Trenkwalder 2005), war von oben gesehen ein sich konzentrisch ausbreitendes Ödland, in dessen Mitte sich eine Stadt befand. Diese ist von sieben Mauern umgeben, jede hat ein Tor, das von einem Torwächter bewacht wird. In der Mitte der Stadt, im Palast, thront Ereschkigal, die Göttin des Todes (Bryce 2002, Haas 1986)

Auch die irdische Sphäre war eine Scheibe mit konzentrischen Kreisen, wie eine babylonische Karte zeigt.

Die Welt Mesopotamiens (Quelle: Somervill 2010)

Die Karte zeigt die mesopotamische Welt zur Zeit des Neubabylonischen Reiches (6. Jh. v. Chr.). Babylon ist das Rechteck im Zentrum. Die acht Kugeln bezeichnen andere Orte wie Elam und Assyrien. Um das Land befindet sich ein Ring mit dem Ozean. Die Spitzen sollen Inseln mit anderen Ländern andeuten.

Im berühmten Epos „Gilgamesch“, das die mythischen Abenteuer des Königs Gilgamesch von Uruk erzählt, gibt es eine weitere interessante Vorstellung über die irdische Welt: Die Sonne, in ihrer Umkreisung der Erde erscheint morgens aus einem höhlenartigen Tunnel in den Bergen des Sonnenaufgangs, zieht während des Tages ihren Lauf über den Himmel und verschwindet abends wieder in einer Höhle in den Berges des Sonnenuntergangs. Gilgamesch, der den Weisen Utnapischtim über das Geheimnis von Tod und Leben befragen will, muss diese stockfinstere Höhle durchqueren, um auf der anderen Seite ein Land des Lichts und der funkelnden Edelsteine zu finden. Das Bild einer Röhre oder eines Tunnels, durch die eine oder mehrere „Sonnen“ bzw. leuchtende Kugeln fliessen, erinnert an die Wahrnehmung von Sternchen (auch Korpuskel, Kreiselwellen oder „blue field entoptic phenomenon“ genannt) oder generell an leuchtende Kugeln in Röhren oder Fäden, wie dies bei Mouches volantes zu sehen ist (vgl. auch Tausin 2011a).

Astralreligion

Die männlichen und weiblichen Gottheiten der mesopotamischen Kultur waren nicht nur mit pflanzlichen und tierischen Attributen oder Aspekten der Landwirtschaft oder des menschlichen Handwerks verbunden, sondern auch mit Gestirnen. Im akkadischen Schöpfungsmythos Enuma Elisch zeichnet Gott Marduk die Sterne als „Abbilder“ (tamschilu) der Götter. Einige der Gottheiten gelten explizit als astrale Gottheiten wie die Inanna/Ischtar, Göttin der Venus und des Morgen- und Abendsterns, der Sonnengott Utu/Schamsch und der Mondgott Nanna/Sin. Die enge Beziehung von Gott und Gestirn zeigt sich beispielsweise im prominenten Keilschriftzeichen „An“, das sich aus dem figürlichen Bild eines achtstrahligen Sterns entwickelte und für den sumerischen Himmelsgott An von Uruk, aber auch für „Gott“ allgemein oder „Himmel“ steht (Trenkwalder 2005; Ringgren 1979).

In den Wissenschaften, die sich mit vorderasiatischer Kunst und Kultur beschäftigen, ist daher klar, dass die vielen Kreissymbole auf Reliefs, Rollsiegel und Malereien Sterne oder Planeten und gleichzeitig deren zugeordneten Gottheiten darstellen. Da die Gestirne jedoch nicht so dargestellt wurden, wie sie in der Realität zu sehen sind, könnten die Darstellungen auch auf andere „Himmelsphänomene“ zurückgehen. Dieser Gedanke wird plausibel, wenn man sich die Tatsache vergegenwärtigt, dass die frühen Astronomen bei der Suche nach Zukunft und Schicksal voraussagenden Omina alle Erscheinungen des Tag- und Nachthimmels sorgfältig untersuchten und katalogisierten. Dabei machten sie jedoch kaum Unterschiede zwischen Gestirnen und meteorologischen Ereignisse, beides waren Phänomene des untersten Himmels (Beck 2007; Rochberg 2004; Lawson 2004; Ferngren 2000). Es ist also denkbar, dass auch entoptische Phänomene Eingang in den Kanon der „Himmelsphänomene“ gefunden haben. Die Formen einiger dieser Darstellungen ähneln jedenfalls sehr den uns bekannten Mouches volantes.

Die Sonnen

Unter den von Chochrane (Suns and Planets in Neolithic Rock Art, n/a) abgebildeten Sonnensymbolen, die universelle Verbreitung in frühen Zivilisationen der Erde gefunden haben, sind der gepunktete Kreis und der achtstrahlige Stern bzw. das Speichenrad zu nennen (vgl. Campbell 1960):

Gemäss dem Autor gibt es Kontinuitäten zwischen diesen simpleren Sonnendarstellungen zu jenen der historischen Hochkulturen. Beispielsweise zu den Rosetten in Mesopotamien. Diese Rosetten repräsentieren den akkadischen Sonnengott Schamasch (1) und die Himmelsgöttin Inanna/Ischtar (2 und 3). Rosettenfiguren und gepunktete oder leere Kreise sind in den Werken der mesopotamischen und vorderasiatischen bildenden Kunst verbreitet, z.B. als Hauptgegenstand, … als Verzierung auf Wandmalereien und Reliefs, als Verzierung und Sujet bei Anhängern und Schmuck aller Art, auf königlichen Insignien wie Kronen oder Zepter (vgl. Handcock 1912) sowie auf Brettern, die vielerorts in Vorderasien gefunden wurden und als frühe Brettspiele gelten (vgl. Somervill 2010). Wahrscheinlich entsprechen die Kreisgebilde bzw. Rosetten innerhalb des Spiels einem bestimmten Zahlenwert oder einer bestimmten Bedeutung.

V.L.N.R. Bild 1: Doppelkreisfiguren als Verzierung. Glasierter Stein (Quelle: Handcock 1912), Bild 2: Kopfschmuck, Ohrringe und Halsketten einer reichen sumerischen Frau. Teil des Kopfschmuckes sind die runden Anhänger aus in Metall eingelegten blauen Edelsteine (Lapis lazuli) (Quelle: Somervill 2010), Bild 3: Marduk, der babylonische Stadtgott, Schöpfergott und König der Götter. Er trägt eine mit Doppelkreisen verzierte Federkrone, sowie ein langes, mit Sternrosetten verziertes Gewand; um sein Hals hängen drei miteinander verbundene reifen mit Strahlen- bzw. Rosettenmuster. (Quelle: Biblisch-historisches Handwörterbuch), Bild 4: Brettspiel, gefunden auf dem königlichen Friedhof von Ur, ca. 26. Jh. v. Chr. Quelle: Somervill 2010.

Eine weitere verbreitete Darstellung der Sonne ist die geflügelte Sonne, Schutzsymbol, Himmelsrepräsentant und Repräsentant für den Sonnengott. Sie ist nicht nur in Ägypten (vgl. Tausin 2011b), sondern in ganz Vorderasien in mannigfacher Ausführung verbreitet (vgl. Bryce 2002; Uehlinger 2000; Parpola 1993). Die mesopotamische Sonnenscheibe ist oft ein leerer Doppelkreis mit Flügel, teils aber auch mit Flammen, einem Stern oder einer Gottheit in Menschengestalt ausgefüllt. Als abstraktes Symbol erscheint sie oft über dargestellten Göttern und Königen, zusammen mit anderen abstrakten Götterdarstellungen wie dem achtstrahligen Stern und der Mondsichel.

Ein Diener fällt vor Königs Salmanssar III. (9. Jh. v. Chr.) auf die Knie. Oben: Geflügelte Sonne und Ischtarstern. Das Bild ist von Keilschriftzeichen umgeben, die den Tribut Spendenden und die Art und Menge von Gaben nennt. (Quelle: Biblisch-historisches Handwörterbuch)

Assyrisches Rollsiegel: Vor dem Tisch steht ein Verehrer, der den Gottheiten Opfergaben bringt. In der Mitte: Ein bärtiger Gott sitzt auf einem Thron; dahinter eine Göttin. (Quelle: Handcock 1912).

Sterne und Planeten – Igigi?

Sonnenscheibe, Ischtarstern und Mondsichel werden häufig von einer Gruppe Kreise oder runden Scheiben begleitet. Diese meist als „Sternen“ interpretierten Zeichen erinnern in ihrer Doppelmembran an Mouches-volantes-Kugeln. Wo es sich um sieben dieser Ringe oder Scheiben handelt, werden sie auch als „Planeten“ interpretiert. Dieses Bild ist besonders interessant, weil es neben den sieben schwebenden Kugeln über dem Gott auch Gegenstände zeigt, die aus mit Linien verbundenen Kugeln bestehen, so der Opfertisch und der Thron des sitzenden Gottes. Die Göttin hinter dem Sitzenden wiederum ist mit Strahlen aussendenden Kugeln verbunden. Wie schon bei den aus Kugeln bestehenden Weltachsen (siehe oben), könnte eine Interpretation dazu lauten, dass weltliche und göttliche Wesen und Gegenstände durch diese kugeligen Himmelsphänomene gestützt oder gar erzeugt werden. Diese Wechselbeziehung von entoptischen Phänomenen, Himmelsvisionen und irdischen Gegenständen und Szenen könnte vor dem Hintergrund visueller Erfahrungen in veränderten Bewusstseinszuständen verstanden werden, wie sie in schamanischen Kontexten existieren.

Nach Handcock (1912) könnte diese Ansammlung von Kugeln die Igigi bzw. Igigu darstellen – eine Gruppe von anonymen männlichen und weiblichen Göttern, die in den Mythen kollektiv genannt und mit dem Himmel in Verbindung gebracht werden. Ihre Zahl kann zwischen 7 und 600 variieren. Im akkadischen Mythos Atrahasis werden die Igigi als niedrige Gottheiten charakterisiert, die für die Hochgötter Anu, Enlil und Enki irdische und schöpferische Arbeiten verrichten müssen; nach ihrer Revolte erschaffen die Hochgötter den Menschen, der anstelle der Igigi die Arbeiten zu übernehmen hatte. Oft wird der Begriff „Igigi“ aber generell als „Himmelsgötter“ verwendet: Nachdem Marduk im Schöpfungsmythos Enuma Elisch Tiamat, die Urgöttin des Salzwassers, besiegt hatte, ordnete er den Kosmos neu und erschuf die Erde. Dabei teilte er den Göttern ihre kosmischen Domänen zu: Die Igigi werden dabei in die beiden obersten Himmelsreiche versetzt (Nardo 2007; Trenkwalder 2005; McIntosh 2005; Snell 2005; Rochberg 2004). Diesem Gedanken folgen, könnten Mouches volantes auch als Igigi oder deren Abbilder verstanden worden sein, als immanente Erscheinungen der höchsten Himmelssphären. Dies geht mit der o.g. Interpretation zusammen, dass diese Gottheiten als „Stützen“ oder „Erzeuger“ von irdischen und himmlisches Wesen und Gegenständen dienen.

Fazit

In der darstellenden Kunst Mesopotamiens begegnen uns immer wieder doppelmembranige Kreisfiguren oder Linien mit oder aus Punkten oder Kreisen, die als Mouches volantes gedeutet werden können. Diese Deutung ist abenteuerlich und unsicher, aber keinesfalls abwegig, wie die dargestellten Bilder und Hinweise auf schamanische Praktiken nahe legen. Mouches volantes und andere entoptische Phänomene könnten als abstrakte Zeichen aus der Kunst prähistorischer Zeiten weitertradiert worden sein; sie könnten aber auch als spirituelle oder ominöse „Himmelsphänomene“ eine mythische Bedeutung für die mesopotamischen Beobachter gehabt haben.

Literatur 

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Nardo, Don (2007): The Greenhaven Encyclopedia of Ancient Mesopotamia. Greenhaven Press
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Rätsch, Christian (2004): Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Botanik, Ethnopharmakologie und Anwendungen. AT Verlag
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Stutley, Margaret (2003). Shamanism. An Introduction. London/New York: Routledge
Tausin, Floco (2011a): Die Leuchtkugel am Ende des Tunnels – Mouches volantes und Nahtoderfahrung. Tausin, Floco (2011b): Im Auge des Re. Mouches volantes Strukturen in der Symbolik des antiken Ägyptens. In: Virtuelles Magazin 2000 58. (14.2.11)
Tausin, Floco (2010a): Lichter in der Anderswelt. Mouches volantes in der darstellenden Kunst moderner Schamanen. In: Galaxiengesundheitsrat. (13.12.10)
Tausin, Floco. (2010b). Mouches Volantes. Die Leuchtstruktur des Bewusstseins. Bern: Leuchtstruktur Verlag
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Tausin, Floco. (2006a). Mouches volantes und Trance. Ein universelles Phänomen bei erweiterten Bewusstseinszuständen früher und heute. Jenseits des Irdischen 3
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Trenkwalder, Helga (2005): Sumerisch-Babylonische Religion. In: Handbuch Religionswissenschaft. Religionen und ihre zentralen Themen, ed. by Johann Figl. Tyrolia/Vandenhoeck & Ruprecht: Insbruch/Göttingen: 118-139
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on Roland Roth
 
Fliegende Gefährte gibt es ja in einer Vielzahl alter Überlieferungen und Schriften. So sind auch die biblischen Texte keine Ausnahme, wie die nachfolgenden  biblischen Beschreibungen über Cherubim und Seraphim nur allzu deutlich zeigen.
 
In einem Bericht über eine Liturgie des 10. Jahrhunderts liest man, dass schon in der frühchristlichen griechischen Messe während eines Teils der Flabelle von den Diakonen getragen wurden. Flabelle sind große Wedel aus Pfauenfedern, feinem Leder oder aus Leinwand. Noch heute werden dem Papst bei feierlichen Prozessionen in Rom solche Fächer vorausgetragen, beispielsweise bei dem Einzug in die Peterskirche zur Zelebrierung oder Assistenz der Messe.
 
Der Zweck dieser Prozedur, die frappierend einer kultischen Handlung gleicht, soll folgende sein: An einer Stelle umbraust den Priester der Siegeshymnus, das „Epinikon“ (Engelslobgesang, Hymnus thriumphalis) der Cherubim und Seraphim, die singen, rufen, schreien, und der Priester „fühlt den Flügelschlag der himmlischen Heerscharen, wenn die Diakone mit den Flabellen fächern.“
 
Was hat es nun mit den Cherubim und Seraphim und deren Verhalten auf sich? Lassen wir doch die Heiligen Bücher sprechen:
 
„Und er (Jehova-d. Verf.) fuhr auf einem Cherub und flog daher, und er erschien auf den Fittichen des Windes.“
(2. Samuel Kap. 22,Vers 11)
 
„Gott aber fuhr zum Paradies auf einem Cherubwagen.“
(Apokalypse d. Moses: Kap.Adam und Eva, Vers 22)
 
„Die Cherubim tragen voll Ehrfurcht den Thron.“
(Testament des Adam)
 
Die Cherubim waren also Träger der Gottheit oder Träger des Thrones. Ein auf Keruben reitender Gott? Was waren diese Cherubim?
 
„Keruben nennen sie die Hebräer; das sind geflügelte Wesen, deren Gestalt sich mit keinem, was Menschen je sahen, vergleichen lässt.“
(Josephus, Ant.3,5)
 
Nicht anders ist es mit den Seraphim. Diese stelle man sich als menschengestaltig mit sechs Flügeln vor und die Luther–Übersetzung lautet denn auch treffend: „feuriger Drache“. Im Testament des Abraham (Kap. 1,4) findet man auch folgende Beschreibungen:
 
„... das Dreimalheilige der Seraphim....das Getöse ihrer Flügel....denn die Seraphim hatten die Geflogenheit, mit den Flügeln zu schlagen, wobei sich ein harmonischer Ton in dem ihrer Verehrung geweihten Tempel ergab...“
 
Potzblitz, was muss man da lesen:
„...feurige Drachen“ ?
„...das Getöse ihrer Flügel“ ?...
„...wobei sich ein harmonischer Ton in dem ihrer Verehrung geweihten Tempel ergab....“?
 
Sind Cherubim und Seraphim schlicht andere Bezeichnungen für technische Flugkörper, wie wir sie heute als Helikopter kennen? Fluggeräte, die uns heute überaus geläufig sind? Und hatten diese Tempel keine andere Bedeutung als Hangars, von denen aus die Vehikel starteten? Erinnert uns das nicht frappierend an Josef F. Blumrichs Hesekiel-Konstruktion und den Tempel-Beschreibungen Hans Herbert Beiers?
 
Was der Papst als „Stellvertreter Gottes“ wohl denken mag, wenn er es seinem Gott gleichtun und die feierlichen Prozessionen mit einem neuzeitlichen Fluggerät absolvieren würde? 
 
(Bild 1)
 
Ist das Verehren der Cherubim und Seraphim nichts anderes als ein mehr als deutlicher „Cargo Kult“, eine Verehrung und Anbetung von unverstandener Technologie und unverstandener Ereignisse?
 
Aber bereits bei der Vertreibung von Adam und Eva finden wir Hinweise auf die Cherubim, die alles andere waren als gutmütige Engel, was insbesondere heute so viele Zeitgenossen in ihnen sehen möchten.
 
Als Adam und Eva gegen das göttliche Verbot, vom Baum der Erkenntnis zu essen, verstoßen, wurden sie aus dem Paradies vertrieben. Damit sie auf keinen Fall in den Garten zurückkehren würden, positionierte Gott einen Engel am Eingang. Der war mit einem feurigen Schwert bewaffnet.
 
Liest man den Text in den hebräischen Urtexten nach, so gibt es einen signifikanten Unterschied zwischen dem weitverbreiteten Volksglauben und dem biblischen Wortlaut:
 
„Und er (Gott) trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens“.
 
Es ist also abermals von den ominösen Cherubim die Rede. Bewaffnet waren diese merkwürdigen Cherubim mit dem flammenden Schwert. Der Bestseller-Autor und Theologie-Fachmann Walter-Jörg Langbein stellt in seinem „Lexikon der biblischen Irrtümer“ die zahlreichen Übersetzungsfehler in der Bibel vor. So auch hier, denn warum waren diese Cherubim mit nur einem Schwert bewaffnet? Die korrekte übersetzung lautet hier: „Und er (Gott) trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim und das flammende, blitzende Schwert“. Das „flammende Schwert“ war also ein einzelner, unabhängiger Gegenstand. Was war mit dem „flammenden, blitzenden Schwert“ gemeint? Ein Naturpänomen oder eine Waffe?
 
(Bild 2)
 
Der Privatgelehrte Pietro Bandini hat sich in seinem vielbachteten Werk „Die Rückkehr der Engel“ intensiv mit den himmlischen Wesen auseinandergesetzt und merkte treffend an, „die Engel dieser zweitedelsten Klasse müßten der ersten Menschheit, also der adamitischen Linie, in zwiespältiger Erinnerung sein“, weil sie die Menschen daran hinderten, ins Paradies zurückzukehren.
 
Die Cherubim waren also keineswegs „Engel“ in unserem heutigen Verständnis. Darüber hinaus sind die technischen Beschreibungen dieser Fabelwesen ein Indiz dafür, dass es sich um Gefährte einer technologisch weit fortgeschrittenen Zivilisation handelte.
 
Der Historiker und profunde Kenner des jüdischen Glaubens Flavius Josephus schreibt: „Sie sind fliegende Kreaturen, deren Gestalt nicht wie die irgendeiner anderen Kreatur ist.“ Diese Fabelwesen hatten nach dem Alten Testament zwar Flügel, waren aber keine Engel!
 
Gott höchstpersönlich nutzte die Cherubim eindrucksvoll: „Gepriesen bist du (Gott), der in die Tiefen schaut und auf Cherubim thront, gelobt und gerühmt in Ewigkeit.“ Gott nutze diese effektvolle Sitzgelegenheit aber auch als schnelles, vielseitiges Verkehrsmittel zum Reisen am Boden, aber auch zum Fliegen: „Er fuhr auf dem Cherub und flog daher; er schwebte auf den Flügeln des Windes.“
 
Es lässt keinen Zweifel daran, dass die Cherubim als besonders heilig verehrt, oder auch gefürchtet wurden. Immerhin waren sie für unsere Altvorderen schier phantastisch anmutende Vehikel, die bei jeder Gelegenheit in Form einer Statue oder anderen Art und Weise geehrt wurden. Die Informationen über diese merkwürdigen Wesen sind im Alten Testament eher spärlich. So wurden in außerbiblischen Texten viele Ergänzungen vorgenommen. Aus den mysteriösen Gefährten wurden Engel, meist aber auch negative. Im Äthiopischen Henochbuch werden sie in Kapitel XX mit den bösartigen Schlangen in einem Atemzug genannt. In Kapitel LXI werden sie gar als „Engel der Gewalt“ bezeichnet.
 
Diese Beschreibungen haben wohl weniger mit friedvollen Engeln zu tun, als mit beängstigenden Kriegsmaschinen, die von einer überlegenen Technologie abstammen.
 
In der Offenbarung des Johannes (9,1-11) finden wir sogar noch genaue Details über das Aussehen dieser wenig engelsgleichen Maschinen:
 
„...Und die Gestalten der Heuschrecken waren gleich zum Kampfe gerüsteten Pferden, und auf ihren Köpfen wie Kronen gleich Gold, und ihre Angesichter wie Menschen–Angesichter; und sie hatten Haare wie Weiberhaare, und ihre Zähne waren wie die Löwen. Und sie hatten Panzer wie eiserne Panzer, und das Geräusch von Wagen mit vielen Pferden, die in den Kampf laufen...“
 
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Diese „Heuschrecken“ waren „gleich zum Kampfe gerüsteten Pferden“ und „sie hatten Panzer wie eiserne Panzer“. Nun, was sehe ich in diesen Beschreibungen, wenn ich sie mit modernen Augen lese? Heuschrecken? Oder gefährlich aussehende, helikopterähnliche Vehikel, die mit ohrenbetäubenden Lärm und bis an die Zähne besetzter Bewaffnung durch die Luft rasen?
 
Sind Cherubim und Seraphim eine in das Unterbewusste zurückgefallene Erinnerung an vergangener Hochtechnologie?
 
Literatur:
Bandini, Pietro: „Die Rückkehr der Engel“. Von Schutzengeln, himmlischen Boten und der guten Kraft, die sie uns bringen“. Bern 1995
Blumrich, Josef F.: „Da tat sich der Himmel auf“. München 1982
Hans Herbert Beier: „Kronzeuge Ezechiel“. München 1985
Däniken, E. von: „Erscheinungen“ S.242 ff. Düsseldorf/Wien 1974
Josephus, Antiqui.: III, 6.4, zitiert nach Ginzberg, Louis:  „The Legends of the Jews“, Vol VI, “From Moses to Esther”, Notes for Volumes III and IV, Baltimore 1998
Langbein, Walter-Jörg: „Lexikon der biblischen Irrtümer“. Berlin 2003
Roth, Roland: „Die Existenz des Unglaublichen“. Groß-Gerau 2006
Uhlig, Siegbert: “Das Äthiopische Henochbuch”. Gütersloh 1984
 
(Bild 4)
 
Buchtipp zum Thema:
Roland Roth (Hrsg.)
Auf den Spuren der Alten